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01. Dezember 2017

Haftungsrecht

Beweis des ersten Anscheins auch beim "Auffahrunfall" auf der Skipiste

Nach einem Urteil des Landgerichts Köln vom 15.08.2017 spricht nach dem Zusammenstoß zweier Skifahrer bei Geltung der FIS-Regeln des Internationalen Ski-Verbandes ein Beweis des ersten Anscheins dafür, dass der von hinten kommende Wintersportler die Alleinschuld an dem Unfall trägt. Ein Skiurlauber aus Bayern hatte gegen einen Skiurlauber aus Köln geklagt. Auf einer Skipiste in Tirol kam es zu einem Zusammenstoß beider, bei dem sich der Kläger eine Unterschenkelfraktur und der Beklagte Rippenfrakturen zuzog. Der Kläger wurde mit einem Helikopter der Bergwacht ins Krankenhaus gebracht. Die Skiausrüstungen wurden beschädigt.

Beide Verunfallte beanspruchten vor dem Landgericht jeweils Schadensersatz und Schmerzensgeld vom anderen in Höhe mehrerer Tausend Euro. Die Haftpflichtversicherung des Beklagten hatte unter Annahme einer Haftungsquote von 50 % bereits einen Teil der Forderungen des Klägers erfüllt. Dieser machte jedoch die Haftung des Beklagten zu 100 % geltend und argumentierte, der Beklagte habe den Zusammenstoß verursacht,  indem er von hinten auf ihn aufgefahren sei. Der Beklagte wiederum bestand auf einem hälftigen Verschulden beider. Der Unfall sei durch einen Frontalzusammenstoß zustande gekommen, während beide gleichzeitig – also nebeneinander – die Pisten befahren hätten.

Das Landgericht Köln urteilte zugunsten des Klägers und verurteilte den Beklagten in voller Höhe. Gegen den Beklagten habe ein Anscheinsbeweis gesprochen – ähnlich wie im Straßenverkehr –, da er auf den Kläger aufgefahren war, so die Richterin. Nach der Beweisaufnahme war sie davon überzeugt, dass der Beklagte hinter dem Kläger die Piste befuhr.

Nach der für das Skigebiet geltenden FIS-Regel Nr. 3 muss der von hinten kommende Skifahrer seine Spur so einrichten, dass er vor die ihm fahrenden Skifahrer nicht gefährdet. Kommt es zum Zusammenstoß, während der Beklagte hinter dem Kläger fährt, spricht dies nach dem ersten Anschein dafür, dass der Beklagte gegen die FIS-Regel Nr. 3 verstoßen hat. Er hat zwar die Möglichkeit, diese Vermutungsregel durch den Beweis eines abweichenden Ablaufs zu erschüttern, was dem Beklagten aber nicht gelang. Auch sei ein Verstoß des Klägers gegen FIS-Regeln nicht feststellbar, daher hafte der Beklagte für die dem Kläger entstandenen Schäden vollumfänglich, umgekehrt jedoch nicht der Kläger dem Beklagten, so das Urteil.